Werkstatt
Diese Seite gibt einen Einblick in aktuelle Bau-Projekte. 

 

   

 

 

In meiner Werkstatt entstehen die wunderlichsten Dinge: Aus grob behauenen Holzblöcken und fein gehobelten Holz-plättchen werden Musikinstrumente geformt wie vor hunderten Jahren. Meist durch bildliche Darstellungen oder rare Originale inspiriert entstehen so Klangwerkzeuge in Bauarten, welche vor fünf- oder sechshundert Jahren gepflegt wurden.

Seit über dreißig Jahren bemühe ich mich um das Ausfeilen von stilistischen und klanglichen Details, damit charaktervolle Streichinstrumente der jeweiligen Epoche wieder erstehen und erklingen können.

 

 

aus der Werkstatt des Giorgione in  Castelfranco Veneto

 

 

Musikinstrumente des Mittelalters waren von jeher meine Leidenschaft. So habe ich Streichinstrumente der Jahre von etwa 1200 bis ins 15. Jahrhundert in mannigfacher Form und Zahl entstehen lassen.

In den letzten Jahren baute ich alleine fünf große spätmittel-alterliche Fideln.

Für die nächsten Jahre plane ich Streichinstrumente des späten 15. und gesamten 16. Jahrhunderts. In diesen Jahre fanden die großen Entwicklungsschübe zur Violine in klassischer Form statt. Daneben wurden Streichinstrumente auch in anderen Formaten und Bauarten als der der "klassischen Violine in Cremoneser Bauart" gebaut, welche unser ungeteiltes Interesse verdienen.

Der Vielfalt an Modellen und dem Erfindungsgeist ihrer genialer Schöpfer waren (fast) keine Schranken gesetzt!

 

 

 

 

 

 

Im Frühjahr 2016 bekam ich aus den U.S.A. einen ehrenvollen Auftrag: Das "collegium musicum" der Universität Yale bestellte zwei Quartette früher Bögen für die Studenten. Durch die freundliche Vermittlung meiner geschätzten Kollegin Leah Gale Nelson (sie coacht die Streicher des c.m.) trat ich bald in Kontakt zum Leiter des Programmes, Grant Herreid. Schnell war klar: Es sollten frühe Steckfrosch-Bögen werden, geeignet für Musik der späten Renaissance und des Frühbarock, dem hauptsächlichen Arbeitsgebiet der Studenten.

Um beim Bau der acht Bögen keine lange Weile aufkommen zu lassen, wählte ich ein "Thema mit Variationen": zwar entsprechen alle acht Bögen dem simplen, aber sehr wirksamen technischen Konzept der Bögen vor ca. 1750, allein, ich wählte u. a. auch eher nicht so gängige Hölzer wie Partridge, Montouchi, Ebenholz oder Massaranduba neben dem bekannten Schlangenholz. Damit sei phantasievollen Spielern mehr klangliche Auswahl, jeweils passend zu ihrem individuellen Streichinstrument, gewährleistet.

 

 

 

 

 

Im Winter 2016/17 entstanden die ersten Teile einer frühen Violine nach G. Ferrari (ca. 1530). Stellten Hals, Wirbelkasten und Schnecke nach dem Bau der Proto-Violine keine Probleme hinsichtlich Stil und Funktion dar, so ergab sich bei der Suche nach einer "authentischen" Wölbung von Boden und Decke eine komplexe Problematik: Die drei detaillierten Darstellun-gen von Wölbungen, welche wir vom Maler besitzen, sind recht unterschiedlich angelegt. Ich begann, gemeinsame Komponenten in den unterschiedlichen Bildwerken zu finden: hohe Wölbung über die ganze Länge, breite Randzone mit sehr dezentem Gegenschwung, Verlauf in pointierte, manieristische Ecken am Mittelbügel.

Ich beschloss, weder Bassbalken oder versteifte Mittelzone in der Decke, noch einen Bassbalken als durchgehende Verbindung zum Boden einzuplanen. Das gut grundierte Instrument bekam schliesslich einen zarten, sehr hellen Öllack und klingt nun, mit dem entsprechend kurzen und leichten Bogen gespielt, hell, ausgeglichen und kernig.

 

 

 

 

Im Winter 2018/19 entstanden einige Bögen des 16. Jahr-hunderts, zuletzt auch die Kopie eines Bogens von ca. 1450, welcher in Bologna verwahrt wird. Als Hölzer für die Stange wählte ich Pflaume, Esche, Eisenholz und Satiné. Besondere Sorgfalt erfordert das Montieren des Bezuges an der Stangenspitze; ich rekonstruierte einen historischen Klemmverschluss.

 

 

...und ein französischer Bogen von ca. 1760

 

 

 

Immer wieder aufregend: Ein kleines Stück eines etwa 10.000 Jahre alten Mammut-Stoßzahns auf der Drechselbank.